Forschungsforum Öffentliche Sicherheit


Springe direkt zu: Inhalt


Service-Navigation

  • Home
  • English
  • Mitarbeiter
  • Kontakt
  • Impressum
  • Suche auf der Website http://www.sicherheit-forschung.de


Grafischer Identitätsbereich:



Navigation/Menü: Links auf weitere Seiten dieser Website sowie Banner


Navigationspfad:

Forschungsforum Öffentliche Sicherheit » News » Forschungsforum als wissenschaftliche Beobachter bei LÜKEX 2010



Forschungsforum als wissenschaftliche Beobachter bei LÜKEX 2010

19.03.2010

Die beiden wissenschaftlichen Mitarbeiter des Forschungsforums Öffentliche Sicherheit, Marie-Luise Beck und Dr. Lars Gerhold, nahmen Ende Januar als wis­senschaftliche Beobachter an der viertägigen Katastrophenschutz-Simulations­übung LÜKEX 2010 in Bad Neuenahr teil. Erstmals war neben den übenden Stä­ben auch ein kleiner Kreis von Wissenschaftlern, die sich mit Aspekten des Be­völkerungsschutzes beschäftigen, als Beobachterin und Beobachter zugelassen.

 

Die LÜKEX (Länder Übergreifende Krisenmanagement- Übung/ EXercise) wurde als eine 36-stündige Simulation am 27. und 28. Januar unter der Leitung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn durchgeführt. Die Übungsszenarien bezogen sich im Wesentlichen auf Terror­anschläge mit CBRN-Tatmitteln, sog. „schmutzige Bomben“. Seit 2004 üben etwa alle 2 Jahre Bund und Länder großflächige Gefahrenlagen unter verschiedenen Bedrohungsszenarien.

 

Die Beobachtung der etwa 250 Akteure, die in verschiedenen Gruppen ihre Auf­gaben zusammen mit den Experten in den Ländern vor Ort  bewältigten, gab den Wissenschaftlern Einblick in Art und Komplexität einer „realen“ Katastrophen­bewältigung. Konkrete, praktische Fragen wurden offenkundig. Die etwa alle sechs Stunden stattfindenden Lagebesprechungen  lieferten anschaulich Infor­mationen über den Fortgang der  Bewältigungsstrategien von den insgesamt acht Unfällen und Terroranschlägen, die sich in vier Bundesländern „ereignet“ hatten.

 

Die einzelnen Szenarien waren in ihrer Komplexität sehr gut durchdacht und die Einlagen –Ereignisse und Interventionen, die im Übungs-Drehbuch festgelegt sind – gut ausgearbeitet. Beispielsweise die Frage: Wie geht man damit um, wenn sich die Scientology Church in einer Katastrophenlage mit Hunderten von Toten und Verletzten als psychosoziale Betreuer anbietet? Für das Gesamtszena­rio musste man jedoch eine große Künstlichkeit konstatieren: Die inszenierten acht Ereignisse zur gleichen Zeit wurden von den Teilnehmern der Übung als extrem unwahrscheinlich bzw. in ihrer Auswirkung auf Medien und Bevölkerung kaum abschätzbar angesehen.

  

Weil der Umgang mit Medien und einer verunsicherten Bevölkerung bei einem Terroranschlag als entscheidend für die Bewältigung der Krisenlage eingeschätzt wird, wurde eine sehr agile Gruppe für „Medien und Öffentlichkeitsarbeit  und – zum ersten Mal – eine „Gruppe Bevölkerung“ eingesetzt. Aufgabe der Gruppen war es, Druck auf die Krisenstäbe auszuüben, indem fiktive Medienmeldungen lanciert und Bevölkerungsverhalten (z.B. dauerhaftes Anrufen bei einer Telefon­hotline) simuliert wurde.

 

Aus wissenschaftlicher Perspektive stellt LÜKEX einen unvergleichlichen „Daten­pool“ dar. Es wäre wünschenswert, Teile der Dokumentation weiterführenden Analysen zugänglich zu machen, um die Erkenntnisse der Übung aus wissen­schaftlicher Perspektive reflektieren zu können. Wissenschaftliche Er­kenntnisse dem Auswertungsprozess zuzuführen, könnte den Übungseffekt in vielen Punkten unterstützen und den eigentlichen Mehrwert stützen. Teilweise unklar blieb den Beobachtern die Weiterverarbeitung der Erkenntnisse. Wün­schenswert wäre, ein der Übung nachgeordnetes Diskussionsforum zu installie­ren, welches die Akteure aus Politik, Hilfsorganisationen, Polizei etc. mit Wissen­schaft zusammenbringt, um verschiedene Fragen des Zusammenspiels zu disku­tieren. Langfristig könnte ein Mehrwert dahingehend entstehen, dass wissen­schaftliche Forschung zielge­richteter erfolgen kann und für und mit allen Betei­ligten erarbeitet werden kann, was aus solchen Beobachtungen abgeleitete For­schungsfragen sein könnten.

 

Die Mitglieder der wissenschaftlichen Beobachtergruppe verfassten einen ge­meinschaftlichen Bericht Ihrer Erkenntnisse, welcher an das BBK übergegeben wurde.

 

22. März 2010

Marie-Luise Beck



Bild Sprungmarke nach oben

 

© 2010  Forschungsforum Öffentliche Sicherheit  |  Feedback  |
Stand: 09.08.2010

Diese Grafiken werden nur in der Druckvorschau verwendet: