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Das Forschungsforum präsentiert sich international
07.06.2010
Turku Tagunsgraum
An der von der Turku School of Economics und dem Finland Futures Research Center organisierten Veranstaltung nahmen weit über 100 Experten aus Europa, Afrika, Amerika, Asien und Australien teil und diskutierten in Vorträgen und Workshops aktuelle und vor allem zukünftige Fragen der Sicherheitsforschung. Sicherheit als Begriff, militärische Sicherheit und Terrorismus, nichtintendierte Folgen technologischer Entwicklungen, organisierte Kriminalität und Energieversorgung waren einige der spannenden Themen. Lars Gerhold präsentierte das Forschungsforum in seinem Vortrag „The future of research on safety and security in Germany“, in welchem neben dem Forum aktuelle Einschätzungen zur Sicherheitsforschung diskutiert wurden. Das peer reviewte Paper erscheint in der Tagungspublikation und ist ab Herbst online verfügbar.
Sicherheitsbegriff
Im Verlauf der Veranstaltung zeigte sich, dass die Diskussion um den Sicherheitsbegriff auch in anderen Ländern besonders virulent ist. Französische, finnische, australische und deutsche Kollegen griffen den Diskurs auf und wiesen auf verschieden Facetten, wie die Verhältnismäßigkeit der UNDP Definition („human security“) zu Konzepten wie „Safety and security“ hin. So wurden auch die negative Sicherheit als Abwesenheit von Gefahr und die positive Sicherheit zur Herstellung von menschlichem Wohlbefinden diskutiert. Weitere Thesen waren, dass Sicherheit nicht individuell erreichbar ist, sondern vielmehr als kollektives Konstrukt konzeptualisiert werden muss. Einigkeit herrschte darüber, dass das Begriffsverständnis von Sicherheit, welches häufig lediglich implizit formuliert wird, sich explizit in Forschungsstrategien und Politikgestaltung äußert.
Technische Entwicklungen
Besonders aufschlussreich waren die auf der Tagung vorgetragenen Einschätzungen eines israelischen Kollegen zu unintendierten Folgen technologischer Entwicklungen („The Dark Side of Technology development“) und ihrer Auswirkungen auf die Sicherheit. Anhand verschiedener Beispiele wie Computerviren in Computerchips für Menschen (z.B. Herzschrittmacher), “Synthetic Biology”, neue " Bio-agents" für die biologische Kriegsführung; Nanotechnologien, die es ermöglichen werden, Sprengsätze zu verkleinern oder nichtmetallische Waffen herzustellen und nicht zuletzt Converging Technologies (NBIC = Nano, Bio, Information, Cognition) wurden zukünftige Gefahrenpotentiale dargestellt. Die Ergebnisse einer Studie zeigten zudem deutlich, dass bei vielen technologischen Entwicklern kein Bewusstsein dafür herrscht, welches Gefahrenpotential durch Umnutzung von anderen in Ihren Entwicklungen steckt.
Kritische Infrastrukturen
Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung waren "Kritische Infrastrukturen", welche als per se interdisziplinär definiert wurden. Am Beispiel der Verfügbarkeit von Wasser wurde gezeigt, dass die Sicherung von Infrastrukturversorgungen grundlegende Bedeutung für die Sicherheit hat, ohne dass hierfür die nötige Aufmerksamkeit in Politik und Gesellschaft besteht. Besonders in Transformations- oder Drittweltstaaten kommt dies zum Tragen; hier könnte durch Infrastruktursicherung mehr erreicht werden, als durch militärische Sicherheitsstrategien und -forschung. Als Treiber für generelle Energietransitionen wurden Änderungen im Lifestyle, organisierte Kriminalität, geopolitische Instabilitäten, Energieversorgung, Preisinstabilität (Öl, Benzin) benannt.
Klimawandel
Unter dem Gesichtspunkt des Klimawandels wurde u.a. diskutiert ob das zukünftige Fehlen von Ölressourcen zu vermehrten Ressourcenkriegen führen wird. Ein Beispiel hierfür ist die Frage, welche Nationen Anrechte an welchen Teilen der Arktis haben. Die Grenzen sind bislang nicht eindeutig festgelegt und durch den Rückgang des polaren Eises werden neue Ressourcen (Gas, Öl etc.) frei. Darüber hinaus wurde dargestellt, welche Sicherheitsfragen mit den verschiedenen Klimarisiken verbunden sind und vermittelt, dass der Klimawandel durch seine Auswirkungen (Flut, Stürme, Wasserknappheit, Hunger durch Trockenheit, Migration etc.) zum Anstieg von globalen Bedrohungen in verschiedensten Bereichen (Destabilisierung von Regionen, gewalttätige Konflikte etc.) führt, genauso aber auch Konflikte und Kriege den Klimawandel befördern.
Summierend lässt sich sagen, dass die verschiedenen Themenfelder besonders zukunftsorientiert diskutiert wurden und in vielen Fällen z.B. durch Zukunftsforschung und/oder Technikfolgenabschätzung belegt oder diskutiert wurden. Zum einen ist die Zukunftsorientierung in der Sicherheitsforschung in anderen Ländern scheinbar bereits Routine, zum anderen kann hierin eine besonders wertvolle Perspektive für die deutsche Sicherheitsforschung liegen, sofern sie über das reine "Zukunftslabel" hinausgeht und sich wissenschaftlich mit Zukunftsfragen beschäftigt.
