14. Kongress der European Sociological Association (ESA): Sicherheitsforschung, Big Data und Künstliche Intelligenz

Gruppenfoto ESA

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Bildquelle: AG Interdisziplinäre Sicherheitsforschung

Unter dem Motto Europe and Beyond: Boundaries, Barriers and Belonging fand vom 20. – 23. August 2019 in Manchester, Großbritannien der europäische Soziologiekongress statt. Gleich vier Beiträge aus der AG Interdisziplinäre Sicherheitsforschung waren auf der hochrangigen internationalen Fachtagung dabei, die folgend skizziert werden.

News vom 26.08.2019

In den letzten Jahren wurde eine kompetenzorientierte Ausrichtung der Ausbildung im Bevölkerungsschutz u.a. als Möglichkeit diskutiert, um Einsatzkräfte besser auf die Bewältigung komplexer Schadenslagen vorzubereiten. In diesem Zusammenhang präsentierte Anna Guerrero Lara in Anlehnung an das Forschungsprojekt „Bildungsatlas Bevölkerungsschutz“ entsprechende Ergebnisse. Aus diesen geht u.a. hervor, dass die Lehrpersonen in der kompetenzorientierten Unterrichtsgestaltung mehrheitlich Vorteile sehen. Bei der Umsetzung derselben sind sie sich jedoch überwiegend unsicher und orientieren sich deshalb häufig an festgelegten Lernzielen, um die Unterrichtsprozesse entsprechend zu steuern. Mit den Konferenzteilnehmenden wurden insbesondere Besonderheiten des Forschungsfeldes und Wege zur methodisch-didaktischen Weiterbildung der Lehrpersonen diskutiert.

Bei der Vorstellung des Projekts REBEKA durch Agnetha Schuchardt standen die Stressoren und Ressourcen von Einsatzkräften (z. B. Feuerwehr, THW) im Vordergrund. Hilfreich bei der Bewältigung von belastenden Einsätzen sind vor allem individuelle Ressourcen (z. B. Selbstwirksamkeitserwartung). Die Fokussierung auf Emotionen erweist sich bei Bewältigungsprozessen allerdings eher als hemmend. Dieses Ergebnis fanden die Teilnehmenden der Session sehr interessant und interessierten sich u. a. für die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Länder. Dies könnte ein Anstoß für weiterführende Forschung sein.

Jennifer Hartmann stellte das Forschungsprojekt DESKRIS vor. Das Projekt widmet sich der Bestimmung von Schutzzielen im Kontext des deutschen Bevölkerungsschutzes. Die Aushandlung von Schutzzielen stellt ein Zusammenspiel von zahlreichen unterschiedlichen Akteuren dar. Im Rahmen der ESA wurde diese abstrakte Debatte auf das Beispiel des Ernährungssektors heruntergebrochen. Mit den Teilnehmenden der Session wurde vor allem über die Zusammenarbeit von Staat und Wirtschaft diskutiert. Staatliche Akteure sind zwar für die Daseinsvorsorge und damit auch für die Sicherstellung der Lebensmittelversorgung in Krisen zuständig, allerdings wird diese Aufgabe im Alltag von wirtschaftlichen Akteuren ausgeführt. Gemeinsame Schutzziele könnten die Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Parteien vereinfachen.

Prof. Dr. Lars Gerhold stellte das Zukunftslabor Sicherheit, seine theoretische Fundierung sowie erste Daten aus der Evaluation vor. In seiner Präsentation verwies er darauf, dass das Transferkonzept und der reflexive Ansatz des Labors  sehr gut bis gut durch die Besuchenden bewertet wird. Im Hinblick auf die gezeigten Exponate betonen die Gäste des Labors, die geweckte Neugier und den vermuteten hohen Nutzen der Forschungsergebnisse. Skepsis oder Sorge gegenüber technischen Neuerungen ist eher geringer ausgeprägt. Die Teilnehmenden der Session nutzten im Nachgang des Vortrags die Gelegenheit durch die mitgebrachte VR Brille einen Eindruck des Labs zu bekommen.

Insgesamt zeigten die Besuchenden der einzelnen Sessions in Manchester insbesondere Interesse an den Schnittstellenthemen zwischen Technik und Gesellschaft. Vortragsrunden, die den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und die Nutzung von Big Data für die Soziologie diskutierten waren besonders gut besucht.

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