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PsychoKat zu Gast auf dem 1. BBK-Fachkongress „Forschung für den Bevölkerungsschutz“ in Bonn

v.l.n.r: Nils Lüttschwager, Eva Steinberger, Sebastian Sterl und Laura Aßmann

v.l.n.r: Nils Lüttschwager, Eva Steinberger, Sebastian Sterl und Laura Aßmann

v.l.n.r: Karsten Michael, Lars Gerhold, Klaus-Dieter Büttgen, Olaf Theiler, Dirk Aschenbrenner, Isabelle Linde-Frech

v.l.n.r: Karsten Michael, Lars Gerhold, Klaus-Dieter Büttgen, Olaf Theiler, Dirk Aschenbrenner, Isabelle Linde-Frech

Eva Steinberger und Sebastian Sterl

Eva Steinberger und Sebastian Sterl

Nils Lüttschwager

Nils Lüttschwager

Erstmalig überhaupt lud das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zum interdisziplinären Austausch beim Fachkongress „Forschung für den Bevölkerungsschutz“ in Bonn ein. Die dreitätige Veranstaltung (12.01. – 14.01.2023) in den Räumen des ehemaligen Bundestages bot auch dem Projekt PsychoKat Gelegenheit, um aktuelle Forschungsergebnisse vorzustellen und sich mit Kolleg:innen aus ganz Deutschland auszutauschen.

News vom 24.01.2023

Den Auftakt machten am ersten Konferenztag Sebastian Sterl und Eva Steinberger, die in ihrem Beitrag die Frage aufwarfen, wie angesichts multipler und komplexer Krisen und Katastrophen psychosoziale Lagebilder erhoben, aufbereitet und dargestellt werden können. Im Vergleich zu lokal und zeitlich begrenzten Ereignissen (wie Unfällen oder Terroranschlägen) ist es bei langanhaltenden, komplexen und verschränkten Lagen herausfordernder nachzuvollziehen, wer betroffen ist, welche psychosozialen Konsequenzen sich einstellen und wie diese Gruppen erreicht und unterstützt werden können. Vor diesem Hintergrund steht auch die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) von Hilfsorganisationen vor neuen Herausforderungen bei der Bedarfserkennung und -bearbeitung von Betroffenen. Zugleich ergeben sich neue Nutzungspotenziale für die Verwendung von psychosozialen Lagebildern im PSNV-Einsatz.

Sebastian Sterl griff im anschließenden Vortrag die aktuelle Diskussion um einen möglichen Blackout-Fall in Deutschland auf und fragte, inwieweit die Bevölkerung hierfür persönliche Notfallvorsorge betreibt und von welchen Faktoren dies abhängt. Die vorläufigen Ergebnisse seiner online-repräsentativen Befragung durchgeführt im Dezember 2022 lassen darauf schließen, dass eine Mehrheit nicht über einen Blackout-Fall nachgedacht habe und Vorbereitungsmaßnahmen, wie das BBK in ihrer Checkliste empfiehlt, nur bedingt getroffen würden. Aus den insgesamt acht identifizierten Schlüsselfaktoren leitete er Handlungsimplikationen zur Erhöhung der persönlichen Notfallvorsorge ab.

Zum Abschluss des zweiten Konferenztages diskutierte Projektleiter Prof. Dr. Lars Gerhold aktuelle Fragen der strategischen Vorausschau. Gemeinsam mit den Kolleg:innen Olaf Theiler (Planungsamt Bundeswehr), Dirk Aschenbrenner (Feuerwehr Dortmund & vfdb), Klaus-Dieter Büttgen (THW) sowie Isabelle Linde-Frech (Fraunhofer INT) wurde die Frage diskutiert, wie sich Krisenmanagement, Forschung und strategische Vorausschau sich sinnvoll ergänzen können. Es wurde deutlich, dass strategische Vorausschau im Bevölkerungsschutz notwendig, aber nicht nebenbei zu erledigen ist. Zudem muss strategische Vorausschau systematisch und regelgeleitet erfolgen, um Orientierungswissen für BOS zu generieren.

Nils Lüttschwager stellte am letzten Konferenztag im Plenarsaal des ehemaligen Bundestages erste Studienergebnisse zum Thema kommunales Corona-Krisenmanagement vor. Angeleitet wurde sein Beitrag von der Frage, inwieweit kommunale Krisenstäbe die psychosoziale Lage der Bevölkerung in ihrer Arbeit erfasst und berücksichtigt haben. Auf der Grundlage von Expert:inneninterviews, die rekonstruktiv die Arbeits- und Sinngenerierungsprozesse von Krisenstabsmitgliedern erfassen, kommt der Beitrag zum Ergebnis, dass die psychosoziale Lage in der Corona-Pandemie meist punktuell und entlang etablierter Informationskanäle erhoben wurde, ohne jedoch standardisierte oder erprobte Verfahren einzusetzen. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung von lokalem Wissen und Netzwerken in Krisenmanagement-Strukturen vor Ort für die Gesamtlageerfassung.

Wir bedanken uns für die spannenden Vorträge und beim Organisationsteam des Fachkongresses für die gelungene und erkenntnisreiche Veranstaltung!

Weitere Informationen des BBK-Fachkongresses „Forschung für den Bevölkerungsschutz“ finden Sie unter: https://www.fkfb.info/

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