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Workshop XIII: Zukunft der Sicherheitsforschung

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Am 12. und 13. April 2016 fand der XIII. Workshop des Forschungsforum Öffentliche Sicherheit in Berlin statt.

Im Rahmen des 3. BMBF Innovationsforums thematisierte das Forschungsforum Öffentliche Sicherheit die Zukunft der Sicherheitsforschung und nahm dabei mögliche Entwicklungen ausgewählter Akteurs- und Themenfelder in den Blick. Hinsichtlich der inhaltlichen Ausprägung des Sicherheitsforschungsprogramms für die zivile Sicherheit zeigt sich eine erhebliche Vielfalt und Multiplizierung von Problemlagen sowie Aufgaben die Öffentliche Sicherheit betreffend, die sowohl von wissenschaftlicher als auch von behördlicher, unternehmerischer und zivilgesellschaftlicher Seite formuliert werden. Ziel der Diskussion war, die Entwicklung einer interdisziplinären Sicherheitsforschung auf der Grundlage eines integrativen konzeptionellen Diskurses über ihre Zukunft zu initiieren. Dies wurde im Rahmen des Innovationsforums in folgenden thematischen Säulen dískutiert:

1. Zukunft von Sicherheitslösungen: Technik als Garant der Sicherheit?

Nach Unglücken und Anschlägen wird schnell der Ruf nach neuen Sicherheitslösungen laut. Insbesondere technische Lösungen erscheinen in einer zunehmend komplexen Welt als ein verlässlicher Garant, der menschliche Fehlerquellen minimiert. Technische Sicherheitslösungen steigern aber möglicherweise gleichzeitig die Komplexität von Systemen und führen dadurch zu nicht intendierten Nebeneffekten. Technik kann und darf nicht isoliert betrachtet werden, sondern muss sich in den gesellschaftlichen Kontext einbetten, in welchem sie angewendet werden soll. Das Panel diskutiert Möglichkeiten und Grenzen gegenwärtiger und zukünftiger technischer Sicherheitslösungen und will gleichzeitig eine kritische Auseinandersetzung befördern: In welchen Bereichen kann Technik tatsächlich einen Mehrwert bieten? Wie verlässlich sind technische Lösungen? Wie interagieren Technik und Mensch? Führt mehr Technik zu mehr Kontrolle? Wie viel Technik verträgt eine Gesellschaft?

2. Zukunft der Krisen- und Katastrophenbewältigung: Verbesserung durch Resilienz?

Regionale, nationale und internationale Großschadenslagen und Krisensituationen bedrohen Menschen und (kritische) Infrastrukturen und können erhebliche soziale, politische und ökonomische Auswirkungen haben. Konzepte der Resilienz sind ein Ansatz zum Umgang mit diesen Ereignissen. Im wissenschaftlichen Diskurs existieren hierbei unterschiedliche konzeptionelle Zugänge zu Resilienz. Diese unterschiedlichen Zugänge führen zu verschiedenartigen Perspektiven auf die Krisen- und Katastrophenbewältigung. Das Panel wird sich der Frage widmen, wie die Konzepte der Resilienz genutzt werden können, um für zukünftige Krisen noch besser gewappnet zu sein: Welche Vorteile bieten die Konzepte im Vergleich zu anderen, z. B. dem des klassischen Risikomanagements? Wie könnte Resilienz innerhalb des Krisen- und Katastrophenschutzes umgesetzt werden? Wie resilient ist der deutsche Katastrophenschutz derzeit? Wie zukunftsfähig ist das Konzept der Resilienz selbst?

3. Zukunft der Bildung: Sicherheitskompetenz als Bildungsziel?

Sicherheitsthemen finden bisher in aktuellen Bildungs- und Lehrplänen nur sehr marginale Beachtung. Bildung und Wissen sind jedoch essentiell für einen reflektierten und angemessenen Umgang mit Themen der öffentlichen Sicherheit und dem Umgang mit Risiken und Herausforderungen. Die Vermittlung von theoretischem und praktischem Wissen in Bildungs- und Lehrplänen könnte eine Möglichkeit sein, gesellschaftliche und politische Diskurse zu versachlichen und die Kompetenz der Bevölkerung, erfolgreich mit Krisenlagen umzugehen, zu verbessern. Das Panel wird sich der Möglichkeiten der Aus-, Weiter- und Fortbildung im Kontext von Sicherheits- und Katastrophenschutzfragen widmen und hierbei zentrale Fragen berühren: In welche Bildungskontexte kann „Sicherheit“ sinnvoll integriert werden? Wie können so ambivalente Themen wie Risiken, Gefahren und Bedrohungen und die Wahrnehmung dieser vermittelt werden? Auf welche Weise können naturwissenschaftliche und sozialwissenschaftliche Ansätze vereint werden? Wie kann Sicherheitskompetenz pädagogisch vermittelt werden und was sind deren Inhalte? Welche Akteure sollten an der Erarbeitung von Bildungsinhalten beteiligt sein?

4. Zukunft der Forschung: Wie kann Sicherheitsforschung der Gesellschaft dienen?

Das Forschungsfeld „Sicherheit“ ist ein Schwerpunkt der Forschungsförderung des BMBF und der Europäischen Union. Trotz dieser aktuellen Schwerpunktsetzungen ist offen, welche Bedeutung Sicherheitsforschung zukünftig in der Forschungslandschaft einnehmen kann oder soll. Zwar scheint es notwendig, auch zukünftig einen Fokus auf diesen Bereich zu legen, doch die Ausgestaltung, Finanzierung und insbesondere der Nutzen der Sicherheitsforschung für die Gesellschaft sind kritisch zu reflektieren. Einigkeit besteht in der Akteurslandschaft der Sicherheitsforschung darüber, dass das Thema „Sicherheit“ in Zukunft keinesfalls einzig disziplinär verhaftet sein kann, sondern inter- und transdisziplinär ausgerichtet sein muss. Sichert aber diese Ausrichtung den gesellschaftlichen Nutzen? Das Panel wird sich hinsichtlich der Zukunft der Sicherheitsforschung kritischen Fragen stellen: Wie sollte Sicherheitsforschung zukünftig ausgestaltet werden, um einen möglichst hohen Nutzen für die Gesellschaft zu erzeugen? Wann kann man von erfolgreicher Sicherheitsforschung sprechen? Sind die derzeitigen Strukturen geeignet, auf bekannte und weniger bekannte Sicherheitsrisiken zu reagieren? Wie können naturwissenschaftliche und sozialwissenschaftliche Fragestellungen optimal kombiniert werden?